Ich habe gut 20 Jahre mit Wolfgang zusammenarbeitet. 

Es wäre gelogen zu sagen, dass wir uns nahe gestanden hätten. Selbst von "grimmigem Respekt", den man in solchen Fällen zur Beschreibung der Verhältnisse gerne bemüht, kann nicht die Rede sein - schon, weil Wolfgang so ein Verhältnis zu klischiert gewesen wäre. 

Wir waren eher eine Quelle der Neugier und der Nutzens, der eine für den anderen, und konnten dadurch Projekte ans Ziel bringen, die keiner von uns alleine geschafft hätte.

Wir haben auch gewisse Vorlieben oder Verständnisse geteilt, besonders in ästhetischer Hinsicht, dort weniger in Filmfragen, aber sehr im Hinblick auf bildende Kunst und Gestaltung. 

Wolfgang war in ästhetischen Fragen genau und - zu meiner Befriedigung - nicht in der Lage, etwas Falsches zuzulassen. 

Eine andere starke Gemeinsamkeit war unsere Hingezogenheit zu anderen Kulturen. Wolfgang ist vielleicht der einzige Mensch, den ich kennengelernt habe, der unfähig zum Rassismus war, was man u.a. daran erkannte, dass er ohne zu zögern die Speisen noch der fremdesten Kultur in den Mund nahm. 

Männer fragen sich manchmal im Hinblick auf ihre Chefs, wie's mit diesen im Krieg wäre: Müsste man sie als Vorgesetzte erschießen, um zu überleben - oder kann man ihnen vertrauen? Bei Wolfgang hatte ich stets den Eindruck, dass er taktisch geschickt war und einen oft besseren Blick in die Wirklichkeit der Verhältnisse hatte als ich. Insofern war er ein guter Vorgesetzter. Was ich von ihm gelernt habe: dass es überhaupt keine auswegloses Lage gibt - ein bisschen was geht immer...